E-Mobilität: Alternative Förderung ist nötig

Ohne neue Anreize wird Deutschland nicht zum Leitmarkt für Elektromobilität werden. Doch Geldprämien sind nach Ansicht des Kfz-Handwerks der falsche Weg, denn bislang gibt es noch zu wenige serienreife Modelle. Gefragt ist jetzt ein Umdenken auf dem Fahrzeugmarkt und bei den Autofahrern. E-Fahrzeuge versprechen langfristige Erfolge. –

Von Jana Tashina Wörrle

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Petair/Fotolia I Noch immer kommt die Elektromobilität nicht richtig voran, Handwerk und Politik sehen aber weiterhin große Erfolge. Jetzt müssen endlich die richtigen Weichen gestellt werden.

 

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Acht Jahre hat die Bundesregierung noch Zeit, um ihr Ziel zu erreichen. Bis zum Jahr 2020 sollen eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen fahren. Bisherige Prognosen – vor allem der Fahrzeugindustrie – gehen von einem Scheitern aus, doch Union und FDP geben sich noch nicht geschlagen. Sie wollen das Ziel auch ohne neue Kaufprämien erreichen. Unterstützt werden sie darin vom Handwerk.
Beim Spitzentreffen von Bundesregierung, Industrie und Wissenschaft am Montag im Kanzleramt zeigte sich, dass trotz der Absagen an direkte Kaufanreize eine Menge Geld in den Ausbau der Elektromobilität fließt. Nach Ansicht des Zentralverbands des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) ist dies auch nötig. Noch viel ist zu leisten, um den Fortschritt bei den Elektromobilität endlich richtig anzukurbeln.

 

Speichertechnik ist eines der größten Hindernisse

Um eine stärkere Nachfrage zu erreichen, möchte die Regierung E-Fahrzeuge für zehn Jahre komplett von der Kfz-Steuer befreien. Zusätzlich sollen die Abgaben für Dienstwagen so geändert werden, dass Fahrer von teureren elektrischen Fahrzeugen keinen Nachteil gegenüber anderen haben.
Doch neben Entlastungen über die Steuern sieht der dazugehörige Gesetzentwurf, der dem Bundestag bereits vorliege und nach Angaben der Bundeskanzlerin noch in diesem Jahr beschlossen werden soll, auch neue Forschungsgelder für die Speichertechnologien vor. So soll noch bis 2013 eine zusätzliche Milliarde Euro in die Forschungsförderung von Batterietechnik fließen.

In der Speichertechnik liegt nach Ansicht der Wirtschaft eines der größten Hindernisse der Elektromobilität. Denn die Hochleistungsakkus sind noch immer so aufwendig in der Herstellung, dass sie die E-Fahrzeuge insgesamt verteuern und unattraktiv für eine flächendeckende Nutzung machen. Bis Ende 2011 waren nur knapp 5.000 reine E-Autos zugelassen – viel zu wenig, um den Zielen von einer Million Fahrzeuge auch nur näher zu kommen.

Die aktuellen Zulassungszahlen des Kraftfahrtbundesamts weisen aus, das bis zur Mitte dieses Jahres rund 57.000 Fahrzeuge mit Hybridantrieb und knapp 7.000 reine Elektrofahrzeuge in Deutschland zugelassen waren. „Diese absolute Zahl ist in Bezug auf den Bestand von 43 Millionen Pkw nicht sehr beeindruckend“, kommentiert Claudia Weiler vom ZDK die Entwicklung. Aus ihrer Sicht wird das Ausbauziel bei einem kompletten Verzicht auf Anreizmaßnahmen nicht zu realisieren sein. Doch wie Kanzlerin Merkel selbst, lehnt auch das Kfz-Handwerk die direkten Kaufprämien ab.

 

„Wir sind alle übermotorisiert“

„Elektrofahrzeuge müssen sich im Wettbewerb behaupten können“, sagt Weiler und weist darauf hin, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch kaum markt- und serienreife Modelle verfügbar sind, für die ein solcher Kaufanreiz gelten könnte. Stattdessen müsste man jetzt eher auf nicht-monetäre Förderungen setzen und den Fahrern von Elektroautos zum Beispiel erlauben, die Busspuren in den Großstädten zu nutzen.

„Wir brauchen in Zukunft eine andere Art der Fahrzeugnutzung“, sagt auch Handwerksmeister Hans Stalleicher. In seiner Firma im bayerischen Trostberg baut er selbst kleine Elektrofahrzeuge und E-Roller. Seiner Meinung nach muss sich der Fokus beim Kauf eines Autos viel stärker auf den individuellen Bedarf richten. Erst dann hätten auch die Elektroautos eine bessere Chance auf dem Markt.

„Wir sind doch alle übermotorisiert. Kaum jemand nutzt doch die PS wirklich, die sein Auto leisten kann“, sagt Stalleicher. Gerade in den Innenstädten könnten kleine elektrisch betriebene Fahrzeuge Vorteile bieten und „dafür brauchen sie auch keine großen Reichweiten.“ Hier müsste endlich ein Umdenken stattfinden und die Politik müsste es fördern.

 

E-MOBILITÄT: ALTERNATIVE FÖRDERUNG IST NÖTIG

Geldprämien für den Kauf eines Elektrofahrzeugs sieht auch er skeptisch. „Bei einem Preis von 35.000 Euro sind 5.000 Euro Rabatt auch nicht entscheidend, wenn ein ähnliches Auto mit einem anderen Motor viel weniger kostet“, sagt der Autokenner, für den die hohen Anschaffungskosten ausschlaggebend sind für die Zurückhaltung der deutschen Autofahrer. Die Preise werden mit der Weiterentwicklung der Technik zwar langsam sinken. Autos mit herkömmlicher Antriebstechnik würden aber nur dann unattraktiver werden, „wenn die Kraftstoffpreise richtig explodieren“, sagt der Unternehmer.

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Die Handwerksfirma elfar von Hans Stalleicher baut kleine Elektrofahrzeuge, die sich prima im Stadtverkehr

Wolle die Regierung wirklich etwas verändern, so muss sie aus Sicht von Hans Stalleicher Erleichterungen im Alltag versprechen. Damit folgt er dem Vorschlag des ZDK zur Nutzung der Busspuren. „Wenn Fahrer von Elektroautos in den Innenstädten kostenlos parken dürften oder die anderen eine City-Maut bezahlen müssten, dann würden sich die Unterschiede langfristig zeigen“, rät er. Dann würde sich auch ein höherer Anschaffungspreis rechnen. Eine einmalige Zahlung bei Kauf sei dagegen schnell vergessen.
Werkstätten bereiten sich auf Änderungen vor

Ähnlich sieht es auch der Unternehmensverband „Lautlos durch Deutschland“. Er bietet Einzelpersonen und Betrieben die Möglichkeit E-Fahrzeuge zu mieten oder zu kaufen und bietet verschiedene Dienstleistungen zum Thema an. Für das Netzwerk bleibt die Elektromobilität eine Erfolgstechnik, die es jetzt nur richtig zu fördern gilt. „Wir denken nicht, dass die Ziele der Regierung zu hoch gegriffen sind“, erklärt eine Sprecherin von „Lautlos durch Deutschland“. Um die Ziele zu erreichen würden jetzt allerdings konkretere Maßnahmen gebraucht. So dürften Innenstädte nur noch für E-Fahrzeuge freigegeben werden und müssten Unternehmen dazu verpflichtet sein, für Ihre Arbeitnehmer Lademöglichkeiten zu schaffen.

Es ist also noch viel zu tun, um die Elektromobilität auf einen Erfolgszweig zu führen. „Es muss in den Köpfen der Autofahrer Klick machen“, sagt Handwerksmeister Stalleicher. Langfristig sei ein bedarfsgerechtes E-Fahrzeug auf jeden Fall günstiger, aber das müsse die Regierung auch richtig kommunizieren. Dieser Forderung schließt sich auch „Lautlos durch Deutschland“ an, denn aus Sicht des Netzwerks wissen viele noch gar nicht, dass es E-Fahrzeuge in ganz verschiedenen Formen gibt. Gerade die E-Fahrräder und Elektroroller würden viele neue Möglichkeiten in der Mobilität eröffnen.

Da auch das Kfz-Handwerk auf den Erfolg der E-Mobilität setzt und in der Branche auch schon ein bisschen Aufwind zu spüren ist, stellen sich die Betriebe bereits auf Änderungen ein. „Der Anstieg um rund 20 Prozent seit Januar zeigt uns, dass der Markt stärker in Bewegung gerät. In Zukunft werden immer mehr Fahrzeuge mit alternativen Antrieben in die Werkstatt kommen“, erklärt Claudia Weiler vom ZDK.